Der Architekt Oswald Mathias Ungers hat im Märkischen Viertel mehr als 1.400 Wohnungen gebaut. Nach seinen Plänen entstanden die signifikanten Gebäudegruppen im Bereich Eichhorster Weg, Zulandgraben, Heinzegraben, Königshorster Straße und Wilhelmsruher Damm.
Hierzu gehört auch die Wohnanlage 908, die zwischen 1964 und 1967 entstand. Bei Ungers kommt das rational-funktionalistische Element besonders stark zum Ausdruck. Die auf der Wechselwirkung von positiver Körperform und negativem Zwischenraum basierende Baustruktur, mit ihren zurücktretenden Nischen und Balkonen, erzeugt eine klare, nüchterne und straffe Außenwirkung. Die 392 Wohnungen in diesem Häuserblock ordnete Ungers streng quadratisch an, sowohl innerhalb der einzelnen Wohnungen, als auch in der Anordnung der Wohnkuben über und nebeneinander, bis sie wieder einen quadratischen Block bildeten: Ungers lebenslanges geometrisches Grundraster.
„Ich wollte nicht mehr den einfachen Zeilenbau mit Zwei- und Dreispännern bauen, sondern die Wohnung wie ein kleines Stadtgebilde konzipieren, wo der Wohnraum den Platz bildet, den die Schlafräume wie geschlossene Türme oder Häuser umstellen“, erklärte Ungers 2004 in einem Interview. Die Wohnung als kleine Stadt mit der „Piazetta“ im Zentrum.
Am Fuße der „Wohntürme“ ließ Ungers bewusst Nischen, ein Tunnelsystem in den Eingangsbereichen, deren Nutzung sich erst in der Zukunft erschließen sollte – etwa Ladenzeilen, Kindertagesstätten oder sonstige nicht planbare Dienstleistungen. Sie sollten auch den freien Durchgang zu den sich östlich anschließenden Grünflächen und Sportanlagen bis hin zum zentralen Einkaufszentrum gewähren. Er nannte das „parasitäre Architektur“, eine Struktur die Raum lässt.
Heute nach der Modernisierung wird diese „parasitäre Architektur“ mit neuem Leben gefüllt: So wurden etwa die Eingangsbereiche behutsam umgestaltet, die „Tunnel“ aufgebrochen und die einst als künftige Ladenflächen erdachten Räume für die Nutzung durch die Mieter geöffnet – zum Beispiel als Fahrrad-Abstellräume.
Das Gebäudeensemble von O. M. Ungers liegt am oberen Eichhorster Weg zwischen Finsterwalder Straße, Zuland- und Heinzegraben. Die Gräben sind kleine Wasserläufe, die sich in einem großen Netz quer durchs Märkische Viertel ziehen und die verschiedenen Quartiere begrenzen. Fußläufig durchs grüne Hinterland des Märkischen Viertels, ist von der Wohnanlage 908 aus das Seggeluchbecken zu erreichen, eine Naherholungsoase mit im Sommer sprudelnder Wasserfontäne. Im Winter verwandelt sich hier so mancher Hügel in eine Rodelbahn. Zahlreiche Sportplätze, eine Beachvolleyball-Halle und einen Kletterfelsen erreicht man hinten hinaus; im Eichhorster Weg selbst finden Sie einen Supermarkt, Einzelhandel und kleine Dienstleister.
Um die Ecke in der Finsterwalder Straße liegt die Hannah-Höch-Grundschule, eine Reform-Ganztagsschule und dann noch gleich nebenan die Greenwich-Oberschule als Integrierte Sekundarschule.

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